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Studie: Weniger Obdachlose in Hamburg

Ein Obdachloser sitzt mit einem Schild "Habe nichts mehr, außer mich" auf der Straße und bettelt.
große Bildversion anzeigen Nur jeder zehnte Obdachlose in Hamburg lebt nach eigenen Angaben vom Betteln. (Archivfoto)

1.029 Menschen leben in Hamburg ausschließlich oder überwiegend auf der Straße. Am Dienstag präsentierte Sozialsenator Dietrich Wersich die Ergebnisse einer Befragung, die seine Behörde mit Unterstützung der Wohlfahrtsverbände im März durchgeführt hatte. Demnach ist die Zahl der Obdachlosen seit 2002 um etwa ein Fünftel zurückgegangen. Allein im Rahmen des letzten Winternotprogramms hätten 115 Obdachlose in eine feste Bleibe vermittelt werden können, so Wersich.

Anteil der Jüngeren und Frauen bleibt stabil

Spezielle Programme für junge Obdachlose scheinen von diesen gut angenommen zu werden, denn bei insgesamt sinkenden Zahlen sei der Anteil der unter 25-Jährigen mit rund 12 Prozent stabil geblieben. Auch der Anteil der Frauen unter den Obdachlosen liege mit 22 Prozent auf dem gleichen Niveau wie 2002. Weil es gelinge, dauerhafte Obdachlosigkeit bei jungen Menschen zu vermeiden, sei das Durchschnittsalter auf aktuell 43 Jahre angestiegen. Gleichzeitig blieben die Menschen mit durchschnittlich 58 Monaten immer länger obdachlos. Bei den Älteren sei eine Distanz zu Hilfsangeboten zu beobachten, so Wersich. Insgesamt werden Tagesaufenthaltsstätten, Mobile Hilfen und der Mitternachtsbus aber gut angenommen.

Verändert hat sich die Herkunft der Obdachlosen. Der Anteil der Ausländer ist seit der Befragung im Jahr 2002 von 17 auf 27 Prozent gestiegen. "Wir beobachten einen Wandel durch Zuwanderung", sagte Wersich. Hier sei eine sorgfältige Analyse notwendig, um das Hilfesystem entsprechend dieser Anforderungen weiterentwickeln zu können.

Drei Viertel sind krankenversichert

Erstmals wurden die Obdachlosen im Rahmen der Studie auch nach ihren Einkommensverhältnissen befragt. Demnach beziehen drei Viertel von ihnen Einkommen, vor allem aus Arbeitslosengeld, Rente, Arbeitseinkommen und Sozialhilfe. Nur zehn Prozent der Obdachlosen gab an, vom Betteln zu leben. Drei Viertel der Obdachlosen besitzen eine Krankenversichertenkarte, rund ein Drittel ein Girokonto. Geld ist allerdings nicht überall vorhanden: 61 Prozent der Obdachlosen haben Schulden, ergab die Studie. Die Flucht vor dem Schuldenberg sei ein Grund für die Obdachlosigkeit und auch ein Integrationshemmnis.

Auch wenn die Zahl obdachloser Menschen zurückgegangen sei, stellten die mehr als 1.000 Menschen, die auf der Straße leben "eine große Herausforderung zum Handeln dar", sagte Peter Laschinski von der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Bedarf besteht nach seiner Einschätzung vor allem bei den Langzeitobdachlosen. Hier müssten die spezifischen Angebote verbessert werden.

Stand: 01.09.2009 16:25
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