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Ein leichtes Zucken am Lidrand kennen viele Menschen: Nervös und unkontrollierbar bewegen sich Teile der Lidmuskeln, häufig vor allem in stressigen Situationen. Meist verschwinden diese Zuckungen genauso plötzlich wieder, wie sie gekommen sind. Genügend Schlaf, weniger Zeit vor dem Computer verbringen, mehr Trinken und Magnesium-Zufuhr werden oft als Hausmittel empfohlen. Dauert das Zucken aber länger oder wird es immer schlimmer, sollten die Betroffenen einen Neurologen zu Rate ziehen. Nicht immer ist die Ursache ein harmloser Tic, und die Ausmaße der Lidkrämpfe können dramatisch sein. So kann ein krampfartiges Blinzeln der Augen den Betroffenen nahezu blind machen und die Krämpfe die Muskulatur der ganzen Gesichtshälfte mit einbeziehen (Hemispasmus facialis).
Als Ursachen kommen verschiedene, meist neurologische Störungen in Frage, von Stress über Lidkrämpfe, Dystonie, Tic-Störung und Tourette-Syndrom bis hin zur ständigen Reizung eines Hirnnerven durch ein benachbartes Blutgefäß. Hochauflösende Kernspinaufnahmen des Kopfes zeigen in diesem Fall die Ursache für das Zucken: Drückt innerhalb des Schädels eine Arterienschlinge auf den siebten Hirnnerven, den Facialis, kann jeder Pulsschlag diesen wichtigen Gesichtsnerv reizen und die Zuckungen verursachen. Die Therapieoptionen richten sich nach der Ursache: In den meisten Fällen werden Medikamente wie Magnesium, Neuroleptika, Antiepileptika (Carbamazepin) eingesetzt.
Liegt eine Hirnnervenreizung vor, kann die örtliche Injektion des Nervengiftes Botulinum-Toxin (Botox®) die Beschwerden lindern, doch diese Spritzen müssen regelmäßig wiederholt und an genau die richtige Stelle gesetzt werden, um keine unangenehmen Nebenwirkungen wie Lähmungserscheinungen und Gefühlsstörungen zu verursachen. Eine dauerhafte Lösung verspricht in diesem Fall die sogenannte Jannetta-Operation: Dabei setzen Neurochirurgen ein winziges Stück Teflonwatte zwischen den Nerven und die Arterie. Die Watte wirkt wie ein Polster und schützt den Nerv. Er wird von nun an nicht mehr mit jedem Pulsschlag gereizt, die Zuckungen verschwinden. Während der Operation messen die Neurochirurgen die Signale des Facialisnerven und erkennen so, ob das Wattekissen seine Aufgabe erfüllt oder anders positioniert werden muss. Hat die Operation Erfolg, bleiben dem Patienten die regelmäßigen Botox-Injektionen und deren mögliche Nebenwirkungen und Kosten auf Dauer erspart.
Prof. Dr. Henry W. S. Schroeder
Neurochirurg
Universitätsklinikum Greifswald der Ernst-Moritz-Arndt-Universität
Sauerbruchstraße
17475 Greifswald
Tel. (03834) 86 61 62
Fax (03834) 86 61 64
Autorin des Fernsehbeitrags:
Susanne Kluge-Paustian
Visite informiert jeden Dienstag über aktuelle Entwicklungen aus den Bereichen Medizin und Gesundheit - aus Klinik, Praxis und Forschung.
Wiederholung der Sendung
05.08.2010 01:20 Uhr
Nicht immer sind die Ursachen eines Lidkrampfes harmlos. Manchmal ist sogar eine Operation nötig.
Länge: 05:07 Minuten
Wieso drückt plötzlich ein Blutgefäß auf den Gesichtsnerv? Professor Henry W.S. Schröder im Interview mit Moderatorin Vera Cordes.
Länge: 04:00 Minuten
Informationen und Videos der Universität Greifswald zum Hemispasmus facialis.