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Maude Barlow, Alternative Nobelpreisträgerin und Mitglied im Weltzukunftsrat, hat als Akkreditierte am Klimagipfel im Kopenhagener Bella Center teilgenommen. In den vergangenen Tagen wurden Akkreditierte vor allem aus Nichtregierungsorganisationen ausgeschlossen. Die Empörung unter den Teilnehmern war groß. Für Maude Barlow auch ein Skandal, aber keine Katastrophe. Sie sieht es eher als Chance für die Teilnehmer des Kopenhagener Klimaforums. Dieser alternative Klimagipfel, der parallel zur Klimakonferenz stattfindet, ist für Maude Barlow die Geburtsstätte einer neuen Klimabewegung. In einem Interview zieht sie Bilanz.
Barlow ist Alternative Nobelpreisträgerin und Mitglied im Weltzukunftsrat. Der alternative Klimagipfel ist für sie die Geburtsstätte einer neuen Klimabewegung.
Roland Vibal und Roperto Aleruzo, die beiden philippinischen Fischer und Teilnehmer der Klimakarawane, sind heute zum Tagungsort des Klimagipfels marschiert. Ihr Motto: Reclaim the Power - Verlangt eure Macht zurück! Gemeinsam mit Tausenden Demonstranten warteten sie am Tagungsort des Klimagipfels auf Deligierte der Klimakonferenz. Diese versuchten aus dem Bella Center herauszukommen, um sich auf der Straße mit den Menschen zu solidarisieren.
In einer gemeinsamen Versammlung wollten sie die aus ihrer Sicht inakzeptablen bisherigen Tagungsergebnisse diskutieren. Doch sie wurden von der Polizei aufgehalten und gelangten nur vereinzelt nach draußen. Die Polizei hatte das Gelände abgeriegelt, es kam zu einigen Auseinandersetzungen mit den Menschen, die gewaltfrei versuchten, auf das Tagungsgelände zu gelangen. Dabei setzte die Polizei Pfefferspray gegen die Demonstanten ein und drängte die Menschen vom Tagungsort ab. Die Teilnehmer der Klimakarawane hielten, von der Polizei umzingelt, ihre Versammlung ab und forderten ein gerechtes Klimaabkommen.
Roland Vibal und Roberto Aluzo, die beiden philippinischen Fischer und Teilnehmer der Klimakarawane, sind heute zum Tagungsort des Klimagipfels marschiert.
370 Millionen Menschen indigener Herkunft gibt es auf der Welt. Es sind die Nachkommen der Menschen, die vor Eroberungen oder der Kolonisation in bestimmten Regionen lebten. Im Polar Center in Kopenhagen trafen sich Vertreter der Ureinwohner aus verschiedenen Kontinenten. Ihre Kritik: Obwohl indigene Völker am stärksten vom Klimawandel betroffen seien, würden sie in dem bisher ausgehandelten Klimaabkommen nicht erwähnt. Florina López lebt wie Giuseppe Villalaz auf den Kuna-Yala-Inseln. Sie fordert, dass Teile der Erklärung der indigenen Rechte, die 2007 von der UN verabschiedet wurde, in das endgültige Klimaabkommen übernommen werden. Denn das hätte zu Folge, dass sich die Weltgemeinschaft verpflichten würde, alles zu tun, um die Heimat der indigenen Völker zu erhalten. Dazu gehören auch die Kuna-Yala-Inseln vor Panama. Giuseppe hat die Verhandlungen im Tagungszentrum der Klimakonferenz der Vereinten Nationen verfolgt. Er macht sich kaum Hoffnung, dass ein Vertragstext zustande kommt, in dem die Rechte der Ureinwohner bindend festgeschrieben werden.
Im Polar Center in Kopenhagen trafen sich Vertreter der Ureinwohner aus verschiedenen Kontinenten.
Gitarristen aus Dänemark, Tschechien und Deutschland, ein Saxofonist von Teneriffa, ein traditioneller Percussionist aus Singapur, ein Schlagzeuger aus Deutschland sowie zwei Sängerinnen aus El Hierro und Schweden: Sie alle stehen gemeinsam auf der Bühne und verkörpern das Projekt Bimbache Jazz and Roots. Dieses musikalische Experiment mit ständig wechselnden Zusammensetzungen beweist, dass es auf der musikalischen Ebene bereits eine internationale Sprache gibt. Wer diesen musikalischen Abend in einem Kulturzentrum Kopenhagens erlebt hat, spürt die Vision der Verbundenheit aller Menschen aus allen Kulturen.
Gitarrist Torsten de Winkel hat den Auftritt moderiert, er sagte an diesem Abend: "Was Menschen am Leben erhält, ist zu wissen, dass sie Unterstützung bekommen werden." Ob Giuseppe Villalaz, Suria Rajini und Badrul Alam von der Weltgemeinschaft Unterstützung bekommen werden, zeigt sich in den nächsten Tagen in Kopenhagen. Es ist eine entscheidende Zeit für Villalaz aus Panama, dessen Heimat, die Kuna-Yala-Inseln in der Karibik, im Meer zu versinken drohen - und auch für Alam aus Bangladesch und Rajini aus Indien, deren Länder von durch Klimawandel bedingten Überschwemmungen heimgesucht werden.
Musiker aus aller Welt stehen gemeinsam auf der Bühne und verkörpern das Projekt Bimbache Jazz and Roots.
Küstenfischer aus verschiedenen Ländern treffen sich mit ihren dänischen Mitstreitern: Sie wollen sich vernetzen und sich gemeinsam für nachhaltige Fischereimethoden einsetzen. Fischer von den Philippinen, aus Eritrea und Norwegen gehen an Bord von "Anton", einem dänischen Fischerboot. Es gehört Knud Anderson. Der Däne ist Mitglied in einer Meeresschutzorganisation, die sich für traditionelle Fischereimethoden überall auf der Welt stark macht. Häufig hat er schon Küstenfischer aus Eritrea besucht. Das heutige Treffen soll Fischer weltweit miteinander vernetzen, deren Lebensgrundlage durch den Klimawandel und Fischereiprojekte der Industrieländer bedroht ist.
Küstenfischer aus verschiedenen Ländern treffen sich mit ihren dänischen Mitstreitern.
Für die Bewahrung traditioneller Methoden in der Landwirtschaft setzt sich Badrul Alam ein. Mit der Organisation Via Campesina protestiert er vor einem Gebäude in der Innenstadt, in dem große Agrarkonzerne ihren Sitz haben. Die Aktion soll die Menschen in Kopenhagen für die Probleme der kleinen Bauern sensibilisieren. Sie wendet sich unter anderem gegen Monokulturen. Die Bewirtschaftung großer Flächen mit Soja zum Beispiel erfordert einen hohen Energieaufwand, diese Art der Landwirtschaft ist daher nicht klimafreundlich. Hinzu kommt, dass große Flächen Regenwald für diese Plantagen geopfert werden. Damit werden Bäume, die CO2 binden und daher den Klimawandel verzögern könnten, für diese Form der Landwirtschaft geopfert.
Auf der Demonstration am 12. Dezember 2009 zeigt sich eine neue Klimabewegung von unten: Sie fordert, dass Menschen, die vom Klimawandel betroffen sind, auch an der Suche nach Lösungen beteiligt werden. Ihre Meinung: Konzerne, die den Klimawandel verursacht hätten, dürften nicht die Verhandlungen dominieren und damit die Möglichkeit bekommen, aus dem Klimawandel auch noch Profit zu schlagen.
Marktbasierte Lösungen, wie etwa der Handel mit Treibhausgasen, werden von vielen Klimabewegungen abgelehnt. Diese Ansätze seien nicht geeignet, die Treibhausgas-Emissionen tatsächlich zu verringern und Gerechtigkeit für die Betroffenen zu erreichen.
Auf der Demonstration am 12. Dezember 2009 zeigt sich eine neue Klimabewegung, die mehr Gerechtigkeit für die vom Klimawandel Betroffenen fordert.
Giuseppe Villalaz hat eine Einladung zum Segeln bekommen: von den Klimapiraten, das sind Studenten aus Deutschland. Doch er hat verschlafen. Das Schiff ist bereits unterwegs und wir müssen später zusteigen, allerdings an einem Anleger im Regierungsviertel - und dort herrscht höchste Sicherheitsstufe. Das Anlegen eines Schiffes ist hier streng verboten, vor allem wenn Piraten an Bord sind.
Giuseppe Villalaz hat eine Einladung bekommen, mit den Klimapiraten zu segeln, doch er hat verschlafen. Das Schiff ist bereits unterwegs und er muss später zusteigen.
Das Klimaforum 09 ist der Alternativgipfel in Kopenhagen. Hier treffen sich Menschen aus Nord und Süd, um gemeinsame Aktionen zu planen und sich auszutauschen. Giuseppe Villalaz hat hier unter anderem einen Workshop besucht, in dem indigene Völker über ihre lokalen Erfahrungen mit sogenannten REDD-Projekten berichtet haben: Bei diesen Projekten soll armen Ländern Geld gegeben werden, wenn sie ihre Wälder nicht abholzen. Das sei nichts anderes als eine Privatisierung der Wälder zum Vorteil der reichen Länder, die dann weiter Emissionen produzieren können - so die Kritik der Teilnehmer des Klimaforums 09.
Beim alternativen Klimagipfel besucht Giuseppe Villalaz aus Panama einen Workshop, bei dem es um die Abholzung von Wäldern in armen Ländern geht.
Heute startet die Karawane in Hamburg ihre Fahrt nach Kopenhagen. Klimagerechtigkeit wollen die Frauen und Männer - und zwar jetzt. Um diese Botschaft nach Kopenhagen zu bringen, muss die Klimakarawane aber zuerst über die Grenze kommen. Schon im Vorfeld gab es einige Probleme. So konnten viele Menschen aus Afrika nicht teilnehmen, weil sie kein Visum erhielten. Einem Teilnehmer ging auf der Tour durch Europa der Reisepass verloren. Eine provisorische Kopie muss nun für die Einreise ausreichen.
Die Karawane startet in Hamburg ihre Reise zum Klimagipfel. Durch langwierige Passkontrollen an der Grenze werden die Reisenden aufgehalten und kommen schließlich mit Verspätung am Ziel an.
Mit der Fähre geht es nach Dänemark, von Puttgarten aus. Als das Fährschiff ablegt, sind alle an Bord und guter Laune. Die Passkontrolle vorher ist reibungslos verlaufen. Das sorgt für gute Stimmung. Die hält allerdings nicht allzu lange an, denn auf dänischer Seite wird strenger kontrolliert. Die Reiseteilnehmer müssen nicht nur ihre Pässe zeigen, sondern sogar aus dem Bus aussteigen, und es gibt eine Taschenkontrolle. Das bringt der Gruppe eine Stunde Verspätung ein - obwohl sie auf einer Pressekonferenz erwartet wird. Doch dann kommen Suria und die anderen endlich an. Und morgen werden sie auf dem alternativen Klimagipfel über die Probleme in ihrer Heimat berichten.
Als die kleine Barkasse zur energiepolitischen Hafenrundfahrt ablegt, ist es draußen ganz grau - und innen ganz bunt. Etwa 30 Menschen aus Asien und Lateinamerika wollen sich im Hamburger Hafen umschauen und etwas über die Energiegewinnung in Deutschland erfahren. Ungläubig steht Giuseppe Villalaz von den Kuna Inseln vor der Großbaustelle des Kohlekraftwerks in Moorburg. Er kann kaum glauben, dass in Deutschland weiterhin riesige Kohlekraftwerke gebaut werden, die große Mengen CO2 ausstoßen. Denn diese Form der Energiegewinnung trägt dazu bei, dass sich die Erde erwärmt, der Meeresspiegel steigt und die Heimatinsel von Giuseppe Villalaz irgendwann untergeht.
Etwa 30 Menschen aus Asien und Lateinamerika wollen sich im Hamburger Hafen umschauen.
Nur 500 Meter von meiner Wohnung entfernt, im Hamburger Stadtteil Ottensen, stapelt sich heute Reisegepäck aus aller Welt. Die Klimakarawane ist eingetroffen: Das sind Menschen, die sich beim Klimagipfel in Kopenhagen nicht ausreichend vertreten fühlen - und deshalb selbst hinfahren. Sie treten für die Interessen von armen Landarbeitern, Fischern und Landlosen ein, die durch Überschwemmungen und Unwetter bedroht sind. Einer von ihnen ist Giuseppe Villalaz, ein Kuna-Indianer aus Panama. Er kommt von einer Insel, die nur einen Meter über dem Meer liegt - und erinnert sich an eine Kindheit, in der die Angst vor dem steigenden Meeresspiegel noch nicht präsent war.
Giuseppe Villalaz ist Kuna-Indianer aus Panama. Alexa Höber begleitet ihn auf seiner Reise nach Kopenhagen zum Klimagipfel.
Auch Suria Rajini aus Indien ist heute in Hamburg. Sie ist noch geschockt von den letzten Überschwemmungen im September. In ihrer Heimatregion Andhra Pradesch ertranken sechs Kinder.
Suria Rajini stammt aus Indien. Sie ist noch geschockt von den letzten Überschwemmungen im September. In ihrer Heimatregion Andhra Pradesch ertranken sechs Kinder.
Badrul Alam kennt die Prognosen für sein Land Bangladesch: Wird die Erderwärmung nicht gestoppt, wird im Jahr 2050 ein Drittel des Landes im Meer versunken sein. Und damit würden 30 Millionen Menschen ihre Heimat verlieren. Deshalb fahren Badrul Alam, Suria Rajini und Giuseppe Villalaz nach Kopenhagen. Sie haben die Hoffnung, dass sich die Konferenzteilnehmer mit ihnen solidarisieren und am Ende ein verbindliches Klimaschutz-Abkommen gelingt.
Badrul Alam kennt die Prognosen für sein Land Bangladesch: Wird die Erderwärmung nicht gestoppt, wird im Jahr 2050 ein Drittel des Landes im Meer versunken sein. Deshalb fährt er nach Kopenhagen.
Die Weltbilder blicken Woche für Woche bis zum Horizont und weiter. Sie erzählen die wichtigen Geschichten aus dem Ausland: bildstark und informativ.
Wiederholung der Sendung
25.03.2010 01:05 Uhr
Vor dem Tagungszentrum der Klimakonferenz in Kopenhagen fand am 16. Dezember eine große Demonstration statt. Die dänische Polizei setzte Hunde und Pfefferspray gegen die Protestierenden ein.
Neun Tage lang war Videoreporterin Alexa Höber für die Sendung Weltbilder beim Kopenhagener Klimagipfel unterwegs.
Was kann ich für den Klimaschutz tun? Welche Klima-Projekte gibt es im Norden? Welche Auswirkungen hat der Klimawandel bereits jetzt? NDR Online berichtet.