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Anmoderation:
Einen wunderschönen guten Abend zu Zapp. Heute beschäftigen wir uns mit der Zeitungswüste in Mecklenburg Vorpommern. Wie die Demokratie leidet, wenn es keine Meinungsvielfalt mehr gibt. Und die Jagd nach dem Naziarzt Aribert Heim, wie unterschiedlich Journalisten und Staatsorgane recherchieren. Aber kümmern wir uns zunächst einmal um das Thema der Woche. Wir haben also einen neuen Bundeswirtschaftsminister. Herrn von und zu Guttenberg. Ein Mann mit wirklich vielen Vornamen. Müssen wir uns diesen Namen merken, hat da gleich zum Beispiel frech die „Bild“ gefragt. Na ja, einen auf jeden Fall nicht: Wilhelm. Auch wenn der Name Wilhelm in wirklich vielen Zeitungen stand, richtig ist er trotzdem nicht. Quelle für den Wilhelm? Wikipedia. Das Internetlexikon in dem jeder, wie er lustig ist, rumschreiben und halt auch mal einen Vornamen dazufügen kann. Das weiß man eigentlich als Journalist. Soviel zum Thema Recherche. Aber bei Herrn von und zu gibt es noch mehr, was man mal überprüfen könnte. Grit Fischer und Anne Ruprecht haben das getan.
Beitragstext:
Er ist der Mann der Woche - eloquent, jung, intelligent - Karl-Theodor zu Guttenberg. Der neue Wirtschaftsminister. Wirtschaftsminister? Warum eigentlich? Ausschnitt, „Tagesthemen“ vom 09.02.2009, Karl-Theodor zu Gutenberg: „Ein teilwirtschaftliches Fundament durfte ich mir in der Zeit vor der Politik bereits aneignen. Durch die Verantwortung, die ich im Familienunternehmen getragen habe. Ausschnitt „heute journal“ vom 09.02.2009, Karl-Theodor zu Guttenberg: „...und habe vor dem Eintritt in die Politik in der freien Wirtschaft gearbeitet. War dort tätig, habe dort Verantwortung im eigenen Familienunternehmen getragen.“ Familienunternehmen? Wir wollen es genauer wissen. Sein Wahlkreisbüro im fränkischen Kulmbach bedauert, man wisse nichts Genaues. Nächster Anruf: Guttenbergs Berliner Abgeordneten-Büro weiß auch nichts Näheres zum Familienunternehmen. Einer weiß offensichtlich mehr. Dieter Hundt, Arbeitgeberpräsident: „Ich bin überzeugt, dass Herr zu Guttenberg die Interessen der Wirtschaft und dort insbesondere auch des Mittelstandes, aus dem er ja selbst kommt, nachhaltig vertreten wird.“
Mittelstand also. Und viele Zeitungen wissen es offenbar noch genauer. Z.B. „Bild“, die enthüllt über den neuen Wirtschaftsminister: Er „war geschäftsführender Gesellschafter im Familienbetrieb (Trockenbau, Isoliertechnik, Dämmstoffe).“ „Der Tagesspiegel“ weiß über den „Neuling“: Er war Chef „einer Großhandelsfirma für Rigipsplatten und ähnlichen Baubedarf,..“ Im Internet suchen wir nach dieser Firma, die in vielen Zeitungsberichten genannt wird. Und finden sie sofort. Die „Von Guttenberg GmbH“ bei München. Doch die Firma reagiert auf unsere Anfrage leicht genervt: Karl-Theodor zu Guttenberg habe hier nie gearbeitet. Alle entsprechenden Presseberichte seien falsch. Wir lassen uns nicht entmutigen bei der Suche nach dem so oft zitierten Familienunternehmen. Der nächste Anruf deshalb beim Berliner Wirtschaftsministerium. Die müssten ja Genaues wissen, schließlich ist Karl-Theodor zu Guttenberg der neue Chef im Haus.
Per E-Mail kommt wenig später die überraschende Antwort: „Leider haben auch wir im Moment noch sehr eingeschränkte Informationen“. Aber das Ministerium lässt uns wissen, wo wir mehr erfahren können – schickt uns diesen Link: „http://www.vonguttenberg.de/index.html“ und wir landen wieder bei der Firma mit den Baustoffen, die von nichts weiß. Derweil berichten alle munter weiter über den neuen Wirtschaftsminister. Und alle, außer uns von Zapp, wissen es scheinbar besser, Hamburger Abendblatt: „...er war Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Guttenberg GmbH, einem Fachgroßhandel für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe.“ Wir rufen bei der CSU Zentrale an. Die müssten es doch eigentlich wissen. Schließlich haben die ihn doch wegen seiner Wirtschaftskompetenz ausgewählt. Doch auch hier – Fehlanzeige.
Aber ein Tipp: Das Bundeswirtschaftsministerium müsste es doch wissen. Doch deren Auskunft ist bekannt: Die Firma mit den Baustoffen. Die ist mittlerweile völlig entnervt und wehrt sich seit heute auf ihrer Homepage gegen falsche Berichte. Der neue Wirtschaftsminister und sein beruflicher Werdegang - fest steht, die meisten Zeitungsberichte sind falsch. Eine Wahrheit finden wir bei Recherchen im Handelsregister. Diese Firma, Auszug Handelsregister: „die Guttenberg GmbH“ mit Sitz in München. Sie hatte lediglich „3 Beschäftigte“. Deren Aufgabe (Zitat aus Handelsregister):... „die Verwaltung des eigenen Vermögens.“ Es ist das Vermögen der Familie von und zu Guttenberg. Seit fünf Jahren gibt es auch diese Firma nicht mehr. Die Suche nach der Wirtschaftskompetenz des neuen Wirtschaftsministers geht weiter. Demnächst vielleicht auch in Ihrer Zeitung.
Abmoderation:
Manche Zeitungen haben sicher einfach schlecht oder gar nicht recherchiert. Und andere haben sich einfach auf die „Deutsche Presse-Agentur“ verlassen. Die nämlich hatte das falsche Familienunternehmen des Herrn Guttenberg in Umlauf gebracht. Dafür hat sie sich heute bei ihren Kunden entschuldigt.
Joachim Löw und Oliver Bierhoff müssen büßen - für ihre unpopulären Forderungen. Gegen diese hatten die Medien tagelang Stimmung gemacht – nach einer offensichtlich gezielten Indiskretion.
Wiederholung der Sendung
12.02.2010 02:00 Uhr
Alle Journalisten schreiben von der Tätigkeit Karl-Theodor zu Guttenbergs als angeblicher Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Eine Falschmeldung, denn Zapp-Recherchen belegen anderes.
Länge: 04:45 Minuten
Gastbeitrag auf "bildblog.de"
Die Firma weist darauf hin, dass sie nicht in Verbindung zu Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg steht.