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Es war eine Nachricht, welche die Redaktion der "Hamburger Morgenpost" auf die Barrikaden gebracht haben dürfte: Die "Mopo"-Herausgeber Josef Depenbrock und Hans Barlach haben ein Grundstück aus dem zerfallenden Immobilien-Imperium der Osmani-Brüder gekauft. Beide bestätigten den Kauf von Burim Osmani, der kürzlich zusammen mit seinem Bruder Bashkim wegen Beihilfe zur Untreue und Betrugs zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurde. Jahrelang hatten auch die Redakteure der "Morgenpost" gegen die Kiezgrößen recherchiert. Das jetzt ergangene Urteil ist auch konsequenten Presserecherchen zu verdanken. Doch die "Mopo"-Herausgeber ficht das nicht an. Josef Depenbrock: "Ich bin überrascht, dass sich jetzt die Moralapostel zu Wort melden. Aus meiner Sicht ist es eher gut, dass das Objekt jetzt verlässlich und solide fertiggestellt wird." Zapp über die Empörung von Redakteuren und über Zeitungsbosse, die Geschäfte mit Kiezgrößen machen.
Anmoderation:
Und zum Schluss noch mal zu denen, die alles versuchen, damit nichts über sie in der Zeitung steht. Und nicht im Fernsehen über sie berichtet wird. Und die deshalb auch juristisch gegen jede unliebsame Berichterstattung vorgehen. Die Hamburger Kiez Größen Burim und Bashkim Osmani sind so ein Fall. Sie setzten Redaktionen jahrelang massiv unter Druck. Auch wir von Zapp haben über diese Osmanis häufig berichtet. Die Schriftstücke von Gerichten und Anwälten nach diesen Berichten füllen ganze Aktenordner. Noch schlimmer sind aber die Kollegen von der "Hamburger Morgenpost" dran. Denn die mussten jetzt erfahren, dass ihre Zeitungsbosse mit einem dieser Osmanis auch noch Geschäfte machen. Gitta Datta über juristische Drohungen und empörende Deals:
Beitragstext:
Eine Luxusimmobilie in Hamburg. 18 Eigentumswohnungen in bester Lage. Elbblick inklusive. Eigentümer. Die Herausgeber der "Hamburger Morgenpost": Hans Barlach und Josef Depenbrock. Sie hatten die Immobilie für 6 Millionen Euro erworben. Eigentlich ein ganz normaler Immobilienkauf. Brisant jedoch, der Name des Verkäufers: Burim Osmani. Der hatte genau wie seine 3 Brüder eine erstaunliche Karriere im Hamburger Rotlichtmilieu auf St. Pauli gemacht. Die Osmanis wurden mächtig und reich. Und die Zeitungen wunderten sich: Quasim Osmani - "Clan-Chef oder nur ein braver Familienvater?" "Sein kleiner Bruder, ein brutaler Schuldeneintreiber?" Und überhaupt: Woher kommen all die Millionen des "Bruder-Clans"? So genau wollten das die Herausgeber der "Hamburger Morgenpost" offenbar nicht wissen. Ihnen war der Häuser-Deal wichtiger.
Jürgen Roth, Buchautor "Der Deutschland-Clan": "Man muss ja wissen, dass das Geld, das die erwirtschaftet haben, nicht unbedingt immer sauber war. Und wenn Herausgeber und Chefredakteure einer Zeitung Geld investieren in Immobilien wo im Prinzip unter Umständen Blut dran klebt, dann zeigt das ja, dass ethisch gesehen bei denen alles weggefallen ist." Karl Günther Barth, Chefredaktion "Hamburger Abendblatt: "Nach meiner Wertung, verträgt es sich nicht mit den Aufgaben eines Herausgebers, mit umstrittenen, dubiosen Figuren die aus dem Rotlichtmilieu stammen, Immobiliengeschäfte zu machen, während sich gleichzeitig die Redaktion die Finger wund schreibt und versucht da was rauszukriegen." Und diese Recherchen waren schwierig. Immer wieder wurden Artikel und Fotos über die Osmanis gerichtlich verboten. Engagierte Anwälte waren immer zur Stelle, wenn unliebsame Enthüllungen drohten. Thomas Hirschbiegel, Reporter "Hamburger Morgenpost", 2006: "Mit rechts schreibt man und mit links hat man so ne Kladde, was verboten ist. Und dann versucht man das zu umschiffen." Reporterin: "Wie viele Punkte sind ihnen verboten worden?" Thomas Hirschbiegel: "Also seit 2001 alleine 50,55. Fast jeden Monat kommt einer." Jetzt möchte der Reporter der "Hamburger Morgenpost" nichts mehr sagen. Stillschweigen auch bei den anderen "Morgenpost"-Mitarbeitern über die "Immobilien-Deals" ihrer Herausgeber.
Hier möchte man nicht schweigen. Die Redakteure der "Berliner Zeitung" machen ihre Empörung öffentlich. Denn schließlich ist der Herausgeber der "Hamburger Morgenpost" hier auch aktiv: Als Chefredakteur und Geschäftsführer. Nach dem Osmani-Deal ist er für viele untragbar. Thomas Rogalla, Redakteursausschuss "Berliner Zeitung": "Das passt natürlich überhaupt nicht zusammen. Das haben wir dem Chefredakteur Depenbrock auch ganz klar als gesamte Redaktion zu verstehen gegeben. Man kann einfach nicht als Zeitung, die aufklären will, die sich gegen Korruption wendet, die Politiker kritisiert, die Geschäftemacher kritisierte, gleichzeitig einen Chefredakteur haben, der mit zwielichtigen Gestalten Geschäfte macht. Das geht einfach nicht." Josef Depenbrock will sich zu alledem nicht vor der Kamera äußern. Lässt "Zapp" lediglich telefonisch mitteilen: "Wir hätten die Immobilie lieber vom bischöflichen Generalvikariat gekauft. Leider stand aber die Grundstücksgesellschaft Stellingen im Grundbuch." Und die gehörte Burim Osmani. Über das sogenannte "Hafendomizil" hatte sogar seine eigene Zeitung berichtet - mit einem Foto des Eigentümers. Und der sei, so nicht nur die "Hamburger Morgenpost", ein "Umstrittenen Investor". Doch all das störte auch den zweiten Herausgeber der "Hamburger Morgenpost", Hans Barlach offenbar nicht. Der ließ Zapp schriftlich wissen: "Die Eigentümerstruktur der Verkäufergesellschaft war für mich nicht kaufentscheidend."
Jürgen Roth: "Wir Journalisten haben uns ja nach ethischen Werten, versuchen zumindest zu bewegen. Und wenn dann die Spitze, also der Chefredakteur, wenn dem das vollkommen gleichgültig ist, dann ist das nicht seine Privatsache mehr. Dann ist das eine öffentliche Angelegenheit. Das ist ein öffentlicher Skandal was sich dort abgespielt hat." Dort in Hamburg, wo die Osmani-Brüder sich als seriöse Geschäftsleute gerierten. Wo aber immer mehr Journalisten wussten, dass dieser albanische Bruder-Clan viel zu verbergen hatte. Karl Günther Barth: "In dem Moment, wo die Kollegen ernsthaft recherchiert haben und versucht haben Hintergründe aufzudecken, wie sie zu ihrem Reichtum gekommen sind, dann haben sie Anwälte eingeschaltet - und zwar die besten dieser Stadt." Gita Ekberg, Freie Journalistin: "Wurde etwas veröffentlicht, kamen sofort Klagen. Gegen alles und gegen jedes. Unterlassungen dies und jenes nicht mehr zu behaupten."
Doch einige Journalisten ließen sich nicht einschüchtern. Sie recherchierten weiter. Und so kam es jetzt zu einem Prozess gegen zwei Osmani-Brüder. Jetzt das vorläufige Urteil: Mehrjährige Haftstrafen wegen Wirtschaftsdelikten. Die Verurteilten beschimpften danach die Journalisten. Osmani: "Mein Gott. Ihr seid so primitiv. Alter Schwede." Die "primitiven" Journalisten als Zielscheibe des Frusts der Osmani-Brüder. Osmani: "Ach, dich habe ich vermisst! Wie geht’s?" Journalist: "Duzen wir uns ?" Osmani: "Ach so, alles klar. Entschuldigung!" Gita Ekberg: "Der jüngste Bruder der Osmanis hat vor dem Gerichtsaal einen Kollegen angespuckt. Und wir wurden schlichtweg als Lügner, Idioten und mit ähnlichen Schimpfwörtern belegt." Die, die das taten, machten gleichzeitig Geschäfte mit den Chefs dieser Journalisten. Die sehen jetzt ihre Glaubwürdigkeit bedroht. Thomas Rogalla: "Was ein bestimmtes Themenfeld angeht, nämlich die Aufklärung von Graubereichen, Politik und Geschäftsleben, möglicher Korruption stehen wir natürlich nicht mehr so gut da, wie vorher. Weil sobald wir etwas scharf kommentieren in dieser Richtung, sagt doch jeder, euer Chefredakteur ist doch selber in Geschäfte verwickelt, die zumindest anrüchig sind. Wie stehen wir denn dann da. Das dies nicht zusammen passt, das merkt doch wirklich jeder?" Jürgen Roth: "Und wenn dann Journalisten merken, ihr Chefredakteure, ihre Herausgeber machen mit diesen Leuten, Personen auch noch Geschäfte, dann werden sie, und das befürchte ich vielleicht in Zukunft überhaupt nicht mehr darüber berichten. Nicht nur weil sie Angst haben, sondern weil dann unter Umständen der Chefredakteur sagt, ach das prozessieren wir nicht durch, das kostet zu viel, weil er sich unter Umständen eine neue Immobilie kaufen will, in irgendeinem Puffviertel oder wo auch immer."
Anmoderation:
Eigentlich wäre die Sendung jetzt zu Ende. Weil aber seit drei Wochen, seit der Kritik von Marcel Reich-Ranicki beim Deutschen Fernsehpreis, alle, aber wirklich alle über schlechtes bzw. gutes Fernsehen debattieren, wollen wir Ihnen zum Schluss etwas Besonderes zeigen: "Good Night, and Good Luck", lief letzten Sonntag in der ARD. Ein bemerkenswerter Film über die amerikanische Reporter-Legende Edward Murrow. Der hat sich schon vor genau 50 Jahren Gedanken über die Qualität des Fernsehens gemacht. Und ganz ehrlich, besser als er damals, kann man das auch heute nicht sagen. Und deshalb, mit diesem Originalzitat jetzt, verabschieden wir uns und sagen: Gute Nacht und viel Glück, wobei auch immer!
Originalzitate von Edward R. Murrow, CBS-Journalist (1958): "Lassen Sie uns hin und wieder die Bedeutung von Ideen und Informationen hervorheben. Würde irgendetwas anderes passieren, als dass ein paar Millionen Menschen ein wenig Erleuchtung erhalten hätten, über Themen, die sehr wohl die Zukunft dieses Landes bestimmen können. Jenen, die sagen: Das Publikum würde sich das nicht ansehen, es wäre zu selbstgefällig, zu gleichgültig und zu isoliert. Kann ich nur erwidern: Dass ein Reporter der Meinung ist, aus gutem Grund dieser Behauptung widersprechen zu können. Aber selbst, wenn jene Recht hätten, was hätten sie zu verlieren? Denn, falls sie Recht haben, und dieses Instrument Fernsehen zu nichts anderem taugt als zu unterhalten, abzulenken und zu isolieren, dann fängt die Fernsehröhre an zu flackern und wir werden bald sehen, dass der ganze Kampf verloren ist. Dieses Instrument kann lehren, es kann aufklären, ja, es kann sogar inspirieren. Aber das kann es nur in dem Maße, indem Menschen entschlossen sind, es genau zu diesen Zwecken einzusetzen. Andernfalls sind es nur viele Kabel und Leuchten, in einem Schrank. Gute Nacht, und viel Glück!"
Joachim Löw und Oliver Bierhoff müssen büßen - für ihre unpopulären Forderungen. Gegen diese hatten die Medien tagelang Stimmung gemacht – nach einer offensichtlich gezielten Indiskretion.
Wiederholung der Sendung
12.02.2010 02:00 Uhr