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Sie berichtet über das Weihnachtskonzert des Jugendchors, Szene-Lokale und Theaterstücke – die „Kölner Illustrierte“ wirkt wie ein ganz normales Stadtmagazin. Doch von unabhängigem Journalismus, bestätigen Insider, könne hier keine Rede sein. Redaktionsinterne Papiere zeigen: Regelmäßig werden Titelstory und Berichte an Werbekunden verkauft. Nach einer internen Preisliste kostet etwa ein Titel plus Titelgeschichte mehr als 4.000 Euro. Die „Kölner Illustrierte“ gehört - wie „Kölner Express“ und „Frankfurter Rundschau“ - zum Verlag M. DuMont. Doch weder der Verlag noch die Werbekunden wollen sich äußern. Zapp über käufliche Presse und ein Stadtmagazin, das für Gefälligkeits-Artikel kassiert.
Qualität, das ist ein Anspruch, der eigentlich selbstverständlich sein sollte, den sich Journalisten aber gerne an die Brust heften. Auch der Verleger und Herausgeber Alfred Neven DuMont. Bei der Verleihung des renommierten „Theodor Wolff“-Preises hat er dazu aufgerufen, sich verstärkt um Qualität im Journalismus zu bemühen. Mehr noch, die Redaktionen sollten nicht auf Kosten journalistischer Inhalte sparen. Klingt gut, doch die Praxis im Haus DuMont ist eine andere, zumindest bei der „Kölner Illustrierten“ Matthias Holland-Letz über ein Stadtmagazin, in dem Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen!
Die Redaktion der „Kölner Illustrierten“: Hier wird es produziert, das Stadtmagazin des „DuMont-Verlags“. Laut Selbstdarstellung ein Stadtmagazin mit umfassender Berichterstattung zu lokalen und kulturellen Themen. Passantin: „Ich denke mal, dass es ne ganze Menge Redakteure sind oder zumindest ein paar, die sich dann mit den verschiedenen Themen auseinandersetzen. Und, dass es dann hoffentlich fundierte Informationen sind, die da drin stehen. Kritisch vielleicht dann auch.“ Unabhängige Berichterstattung, dafür zahlen die Leser, bekommen viele Berichte, aber wenig kritische Recherche.
Was sich in der „Kölner Illustrierten“ als Journalismus ausgibt, ist mit vielen Seiten gekauft. So wie der Titel der Dezemberausgabe. Er bringt eine Vorschau auf das Weihnachtskonzert mit Jugendchor in der „Köln-Lanxess arena“. Dazu ein Bericht, unabhängig recherchiert, so wirkt es, mit dem Kürzel des Autors. Kein Hinweis auf Werbung. 4250 Euro zahlen Kunden für Titel und Titelstory laut Preisliste über Sonderwerbeformen der „Kölner Illustrierten“, die Zapp vorliegt. Zapp trifft Insider, die nicht erkannt werden wollen. Insiderin: „Das läuft schon einige Jahre. Es hat mit einem einzelnen Titelverkauf angefangen. Und dann ist es halt immer mehr geworden. Man ist massiv an die lokalen Kunden ran gegangen und hat denen das angeboten.“
Zapp liegt eine redaktionsinterne Übersicht für die Dezemberausgabe vor. Sie belegt das Geschäft zwischen Verlag und Werbekunden. Links steht „Kunde“ und rechts „Umfang“, also die vereinbarte Leistung. Kunde etwa die Kölnarena, Veranstaltungsort des Weihnachtskonzerts mit dem Jugendchor. Die Leistung: „Redaktion zum Titel“, also ein Bericht zur Titelgeschichte. Gekaufte Berichte. Zapp fragt beim Management der „Köln-Lanxess arena“ nach, aber die Geschäftsführung will uns nichts sagen. Sie schreibt: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir in dieser Angelegenheit nicht weiter mit Ihnen korrespondieren.“ Insider: „Der Kunde bekommt zum Beispiel eine Viertel Seite. Dann bekommt er ein Foto seiner Wahl. Der Text wird entweder vom Kunden geliefert oder von der Redaktion geschrieben und dem Kunden zur Abnahme vorgelegt.“
Siegfried Weischenberg, Professor für Medienwissenschaften: „Hier handelt es sich also um eine interessenbestimmte Aussage - das ist Werbung. Und auf der anderen Seite geht’s um redaktionellen Teil und da will ich eigentlich schon, dass die Journalistinnen und Journalisten, ja, unabhängig, neutral unterwegs sind, mich orientieren können. Und wenn sie das nicht tun, wenn da ein anderer Deal, den ich nicht durchschauen kann, zugrunde liegt, werde ich getäuscht.“ Das Novemberheft: Ein Artikel über das „Rhein-Center“, das neue Kaufhaus in Köln-Weiden. Auch hier: Getarnte Werbung. Ein Positivbericht, viele Markenamen prominent platziert. Kein Hinweis auf Werbung. Die Liste zum Novemberheft nennt das „Rhein-Center“ Weiden als „Kunden“. Vereinbarte Leistung: „2 Seiten Redaktion“. Die Geschäftsführung des „Rhein-Centers“ erklärt telefonisch: „Kein Interview“.
Insider: „Ich denke, das Interesse der Kunden ist, dass es nach authentischer Redaktion aussieht. Und das Interesse des Verlages ist, dass man gegebenenfalls höhere Erlöse bekommt und die Kunden bereit sind, mehr zu zahlen als für eine klassische Anzeige.“ Prof. Siegfried Weischenberg: „Das ist so ein bisschen, ja, trojanisches Pferd. Da wird ein Werbeinteresse heimlich in den redaktionellen Bereich hinein geschmuggelt. Dass Werbetreibende das sehr gern machen, ist bekannt, weil eben der redaktionelle Teil mit größerer Glaubwürdigkeit rechnen kann, als wenn ich etwas von vorn herein als Werbung deklariere.“ Viele Fragen an „DuMont“, den Verlag der „Kölner Illustrierten“. Zapp bittet die Geschäftsführung um ein Interview. Aber dafür steht der Verlag „nicht zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an Herrn Göbel“. Achim Göbel, der Chefredakteur der „Kölner Illustrierten“. Gern hätten wir ihn befragt, den Mann mit vielen Funktionen bei der „Kölner Illustrierten“: Chefredakteur und Leiter der Anzeigenabteilung. Aber auch er will nicht vor die Kamera. Er schreibt: Wir möchten uns „Ihnen gegenüber nicht weitergehend zum Thema äußern“. Er hält unsere Recherchen für unseriös. Mit freundlichem Gruß, Achim Göbel.
Warum dann die Nervosität im „DuMont-Verlag“? Nicht einmal Außenaufnahmen will man uns gestatten. Insiderin: „Der „DuMont-Verlag“ bekommt ja die Zeitung zu sehen und zu lesen, und bekommt auch die Anzeigenumsätze zu sehen. Ich denke mir schon, dass die eins und eins zusammenzählen können.“ Das große Schweigen über käuflichen Journalismus. Fehlende Transparenz und empörte Leser. Passantin: „Wenn das so ist, dass Geld fließt, dann muss es auf jeden Fall kenntlich gemacht werden. Also, weil der Leser muss ja dann irgendwie auch mit diesen Informationen irgendwie umgehen können. Und wenn das so gar nicht der Fall ist, dann ist das doch eigentlich schon fast Missbrauch.“ Prof. Siegfried Weischenberg: „Man schafft dadurch in der Tat einen Wettbewerbsvorteil und man sorgt eigentlich für eine problematische Spirale. Die anderen müssen dann genauso nachziehen und am Ende wird dann tatsächlich unabhängige Berichterstattung auf dem Altar der Kommerzialisierung geopfert.“
Mehr über getarnte Werbung und fehlende Transparenz bei uns im Internet unter www.ndr.de/zapp.
Joachim Löw und Oliver Bierhoff müssen büßen - für ihre unpopulären Forderungen. Gegen diese hatten die Medien tagelang Stimmung gemacht – nach einer offensichtlich gezielten Indiskretion.
Wiederholung der Sendung
12.02.2010 02:00 Uhr