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Anmoderation:
Guten Abend bei Zapp! Nach einem Tag, mit erschütternden Ereignissen, wollen wir uns trotzdem den Geschehen in der Medienwelt widmen. Heute beschäftigen wir uns unter anderem mit einer Familie, die durch alle möglichen Reality-Formate geschleust wird – und immer wieder was anderes erzählen soll. Und - am Niedergang von Hansa Rostock sind angeblich die Medien Schuld! Na gucken wir mal. Kommen wir zunächst zu unserem Lieblingsboulevardblatt. Heute war große Bilanzpressekonferenz beim Axel Springer Verlag. Auch wir von Zapp hätten einige Fragen gehabt, aber wir durften nicht rein! Unsere Fragen würden nicht passen! Dabei heißt es doch: „Wer nicht fragt, bleibt dumm!“ Dazu will die „Bild“ ja sicher nicht beitragen. Und jetzt dürfen doch sogar Prominente mal ihre Meinung sagen - Gita Datta und Daniel Bröckerhoff über die neuste Werbekampagne.
Beitragstext:
Sie ist das Gesicht der RTL-Unterhaltung. Er ist ein ehemaliger Handballstar. Sie moderiert die Volksmusik im ZDF. Er schießt Tore für Bayern München. Und er ist das Gesicht des ZDF. Fünf Promis. Und alle trommeln jetzt für „Bild“. Auf allen Fernseh-Kanälen. Ausschnitt „Bild“-Werbespot, Nazan Eckes: „Mit der Bild-Zeitung ist es wie mit Typen – es geht nicht mit, es geht nicht ohne...“ , Ausschnitt „Bild“-Werbespot, Carmen Nebel: „Die Schlagzeilen sind toll, auf manche wäre ich selber gern gekommen!“, Ausschnitt „Bild“-Werbespot, Johannes B. Kerner: „Also mir wäre ein bisschen mehr Bildung und ein bisschen weniger Meinung lieber!“, Ausschnitt „Bild“-Werbespot: Philip Lahm: „Meine Meinung zu „Bild“ ist ne sehr positive, weil ich jeden Tag diese Zeitung lese.“, Ausschnitt „Bild“-Werbespot, Stefan Kretzschmar: „Weil natürlich hat jeder von den Prominenten irgendwo ne Leiche im Keller und wahrscheinlich liegt die auch schon bei der ´Bild´“, Ausschnitt „Bild“-Werbespot, Nazan Eckes: „Ich bin ja auch ein bisschen stolz darauf, dass es ein paar Sachen gibt, die ihr nicht wisst!“ – Claim: „Bild – Dir Deine Meinung!“ Stefan Niggemeier, www.bildblog.de: „Ich finde die neue „Bild“-Kampagne sehr clever, weil sie so den Eindruck erweckt, dass „Bild“ ne Zeitung ist, mit der man reden kann, die mit Kritik umgehen kann, die ganz aufgeschlossen ist, die für einen Spaß zu haben ist. Eigentlich all das was „Bild“ nicht ist, stellt „Bild“ in diesen Spots dar.“
Niemand von „Bild“ wollte sich vor der Zapp-Kamera äußern. Schriftlich immerhin teilt der Axel-Springer-Verlag mit (Zitat, „Bild“): „Die Prominenten konnten frei entscheiden, was sie sagen wollten. Es gab keine Vorgaben.“ Also auch nicht für Kerner. Ausschnitt „Bild“-Werbespot, Johannes B. Kerner: „Also mir wäre ein bisschen mehr Bildung und ein bisschen weniger Meinung lieber!“ Stefan Niggemeier, www.bildblog.de: „Das scheinbar Clevere ist ja, dass Kerner die Möglichkeit nutzt, „Bild“ zu kritisieren. Was natürlich ne ganz besondere Art von Verlogenheit ist, weil natürlich macht er Werbung für „Bild“. Das ganze ist ein `Bild´-Spot.“ Und „Bild“ macht viel Werbung für ihn. Stellt exklusiv (Zeitungsausschnitt: „Bild“, Ausgabe vom 01.9.2007: „Kerners Kochbuch“ vor. Und ruft seine Leser im Internet auf (Internetauftritt „Bild“.de): „Koch dich zu Kerner!“ Auch als Fernseh-Tipp steht Kerner bei „Bild“ hoch im Kurs. Laut der Zeitschrift „Funkkorrespondenz“ wurde Kerners Talkshow in den letzten 3 Jahren 35 Mal als der „TV-Tipp“ empfohlen. Stefan Niggemeier: „Das ganze ist also ein Geben und Nehmen und das funktioniert so lange, so gut für Kerner, wie er mitspielt - wie er da auch genug zu liefern hat.“ Und Kerner liefert fleißig, was „Bild“ braucht. Hier erfährt der Leser vorab morgens schon, wer abends bei Kerner Krokodilstränen weint. Auch alles über Schumi (Zeitungsausschnitt: „Bild“, Ausgabe vom 13.01.2009): „So nah war ich dem Tod“. Morgens die Schlagzeile in „Bild“. Am Abend dann das ganze im ZDF. Und alle profitieren. Stefan Niggemeier: „Er kooperiert mit `Bild´. Gibt ihr Geschichten, die sie gerne haben möchte und muss dadurch selber nicht damit rechnen, dass er mit blöden Schlagzeilen in der ´Bild´ landet.“ Über seine „Bild“-Werbung wollte Kerner mit Zapp nicht reden. Alle anderen Promis – auch nicht. Ausschnitt „Bild“-Werbespot, Philipp Lahm: „Meine Meinung zu ´Bild´ ist ne sehr positive, weil ich jeden Tag diese Zeitung lese.“ Der `Bild´-„Liebling Lahm“ (Zeitungsausschnitt, „Bild“ Ausgabe vom 27.06.2008 ). Immer schöne Geschichten. Da freut sich der Nationalspieler. Gregor Gysi hat sich schon oft geärgert – über „Bild“. Nicht nur, als das Blatt ein angebliches Röntgenbild seines Gehirns präsentierte. Auch, als „Bild“ über ihn und seinen Partner Lafontaine polemisierte (Zeitungsausschnitt, „Bild“, Ausgabe vom 30.01.2008): „Warum sind diese beiden so gefährlich?“ Doch jetzt scheint alles anders - Gysi wirbt für „Bild“. Zitat: „Bild“-Werbung, Gysi: „Ich lese `Bild´ gelegentlich, um zu wissen, was Millionen Leserinnen und Leser denken sollen. Spaß macht mir die ein oder andere Gegendarstellungen“ Stefan Niggemeier: „Vermutlich denkt er, was für ein toller revolutionärer Akt das ist, in einer „Bild“-Werbung zu sagen, dass die Gegendarstellungen das Beste sind an der `Bild´ ist. Ich glaube aber, die Taktik geht nicht auf - weil am Ende lässt er sich doch ein mit ihnen.“
Auch Stefan Kretzschmar hat sich eingelassen - mit der „Bild“. Und das trotz der medial inszenierten Schlammschlacht, um die Trennung von Franzi von Almsick. „Bild“ spekuliert über Privates. Das scheint heute vergessen. Ausschnitt „Bild“-Werbespot, Stefan Kretzschmar: „Weil natürlich hat jeder von den Prominenten irgendwo ne Leiche im Keller und wahrscheinlich liegt die auch schon bei der `Bild´“ - Stefan Niggemeier: „Das ist kein Ammenmärchen. Es gibt tatsächlich solche Schubladen, wo Material drin liegt über Prominente und über Politiker. Die Frage ist natürlich immer, was `Bild´ dann damit macht, mit diesem Material. Erpressung ist so ein großes Wort. Die `Bild´ würde natürlich sagen, wir erpressen die Leute nicht, wir geben denen zwei Möglichkeiten - wir können die Geschichte drucken oder wir können die Geschichte drucken.“
Diese bittere Erfahrung machte auch Charlotte Roche, als ihre 3 Brüder bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen. Sie war geschockt und in Trauer. „Bild“ verlangte dennoch ein Interview. Ausschnitt der Sendung Panorama vom 30.03.2006, Charlotte Roche: "Wenn ich nicht endlich zur Verfügung stünde für ein Interview über den Unfall in meiner Familie und den aktuellen Zustand von meiner Familie, würden die eine Geschichte bringen, die nicht gut ist für mich." Ausschnitt der Sendung Panorama vom 30.03.2006, Christian Schertz, Medienanwalt: „Man kann nur in der Gesamtschau feststellen, dass Personen, die mit `Bild´ möglicherweise bewusst nicht zusammenarbeiten, entweder – im besten Fall - von `Bild´ ignoriert werden - oder aber im schlimmsten Fall, sich dort immer wieder einer Negativberichterstattung ausgesetzt sehen.“ Es gibt viele solcher Fälle. Auch Sibel Kekilli. Zeitungsausschnitt, „Bild“ (Zappbeitrag: „Pornobär“ vom 22.04.2004): „Film-Diva in Wahrheit Porno-Star“ titelte die „Bild“ und zeigte alte Porno-Aufnahmen von der preisgekrönten Schauspielerin. Kekilli empörte sich in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ über diese Methoden von „Bild“ Zeitungsausschnitt der „FAZ“: „Die `Bild´-Zeitung sagt mir zum Beispiel: Wir wollen jetzt an deine Eltern ran. Aber wir können sie in Ruhe lassen, wenn du uns ein Interview gibst.“ Kekilli verweigerte das Interview. Da legte „Bild“ nach, lieferte neue Schlagzeilen (Zeitungsausschnitt, „Bild“ Zappbeitrag: „Pornobär“ 22.04.2004): „Eltern verstoßen sündige Film-Diva.“ Sie gewann den Deutschen Fernsehpreis. Ihre Dankesrede nutzte sie zur Abrechnung mit „Bild“. Ausschnitt aus der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2004 Sibel Kekilli: „Nur gewöhnliche Menschen haben großes Vergnügen an den Fehlern anderer Menschen. Das möchte ich noch loswerden. Und Mama, Papa ihr könnt stolz auf mich sein.“ Und „Bild“ ist wohl stolz auf andere Prominente, die für sie werben - werben wollen - vielleicht werben müssen. Zitat „Bild“-Werbung, Thomas Gottschalk: „`Bild´ hat mich erst zur Schnecke gemacht und dann zum `Titan´! Wer in Deutschland was werden will, muss da durch!“ Das ist der „Bild“-Gruß vom ZDF-Mann Gottschalk. Beim ZDF sieht man kein Problem. Gottschalk, Nebel und Kerner seien schließlich nur freie Mitarbeiter. Und so werben sie alle weiter – für „Bild“. Ausschnitt „Bild“-Werbespot, Johannes B. Kerner: „Also mir wäre ein bisschen mehr Bildung und ein bisschen weniger Meinung lieber!“ Ausschnitt „Bild“-Werbespot: Lahm: „Meine Meinung zu „Bild“ ist ne sehr positive, weil ich jeden Tag diese Zeitung lese.“, Claim: „`Bild´ – Dir Deine Meinung!“ Fragt sich nur - welche?
Abmoderation:
Mehr zu diesem Thema bei uns im Internet unter ndr.de/zapp.
Joachim Löw und Oliver Bierhoff müssen büßen - für ihre unpopulären Forderungen. Gegen diese hatten die Medien tagelang Stimmung gemacht – nach einer offensichtlich gezielten Indiskretion.
Wiederholung der Sendung
12.02.2010 02:00 Uhr
Sie sind die Stars der aktuellen Bild-Werbekampagne. Und verzichten auf Honorar. Denn Gregor Gysi, Udo Lindenberg und Co. versprechen sich einen viel höheren Lohn: Gute Presse.
Länge: 07:17 Minuten